Freiheit der Begegnungen

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Beziehungen und Freundschaften entstehen aus Liebe. Nicht aus Brauchen. Sie entstehen aus dem Fluß der Freiheit. Sie sind dann lebendig, wenn sie fließen können. In die Form, die jetzt, in diesem Augenblick mit diesem Menschen die Richtige ist. Die Form, bei der alle Sinne weit werden und das Herz lacht. Liebe kümmert sich nicht um das, was der Kopf von dieser Form halten könnte.

 

Der Liebe ist es vollkommen egal, ob das Altersunterschied zu groß scheint, der Bauch zu dick oder die Narbe im Gesicht zu deutlich. Der Liebe ist es auch völlig egal, ob der Mensch vor mir Chinese, Palästinenser, Israeli, Malaye, Deutscher, Moslem, Jude oder Christ ist. Liebe kennt keine Konstrukte der alten Welt. Sie kennt keine Hierarchien. Ob Kaiser oder Nonne, ob Handwerker, Sklave, Bettler oder Millionär, Liebe findet ihren Weg. Sie kennt keine künstliche Trennung. Liebe liebt. Ungebunden und Bedinungslos. 

 

In der alten Welt zählt die Form mehr als der Inhalt. In der Liebe zählt die Liebe. 

 

Die Form einer Beziehung entsteht in dem Moment, in dem sich zwei Menschen in die Augen schauen. Sie ist unverwechselbar. Sie geschieht nur mit diesem Menschen. Mit keinem anderen. Schau dir deine Beziehungen und Freundschaften an. Jede ist einmalig, jede ist eine ganz eigene Welt. Mit dem Menschen kannst du das Eine austauschen, mit dem Anderen etwas ganz anderes. Jeder dieser Beziehungen ist besonders. Du kannst einen Freund nicht ersetzen. 

 

Beziehung ist Wandel. Sie ist kein statischer Zustand. Was sich wandelt, ist jedoch niemals die Essenz der Verbindung. Die Liebe bleibt. Sie kann nicht gehen. Was sich wandelt, sind wir. Und mit uns auch die Beziehung. Vielleicht sogar ihre Form.

 

Beziehung ist kein ewiger ekstatischer Zustand. Es ist ein Wachstumsprozess. Jeder Mensch in einer Beziehung ist hier, um sich zu verändern, um sein eigenes Wesen zu erforschen und zu leben. Der Partner ist der Mensch, der uns am Besten dabei helfen kann, uns selbst zu erfahren. Mit allem, was uns ausmacht. Er ist der Spiegel, in dem wir uns sehen können und entscheiden, wer wir sind. So wie wir ihr Spiegel sind.

 

Es braucht keine Anstrengung, Spiegel zu sein. Wir müssen uns nicht auf den Anderen konzentrieren oder unsere Sache besonders gut machen wollen. Im Gegenteil. Wenn wir dem Anderen einen Gefallen tun wollen, verhindern wir den freien und natürlichen Wachstumsprozess. 

 

Angst hat uns in der alten Welt an Formen festhalten lassen. Angst hat uns vor Beziehungen fliehen lassen, weil die Herausforderungen und die Ansprüche an das eigene Wachstum zu groß schienen. Angst hat uns mit Menschen verbunden, wie vielleicht gute Freunde oder Diskussionspartner aber niemals Ehefrauen hätten sein sollen. Angst hat uns zurückschrecken lassen, wenn der Schritt vorwärts der einzige Stimmige gewesen wäre. Angst hat uns den Mut genommen.

 

Angst hat uns zum Leiden für einen Anderen verurteilt, zur Selbstaufopferung und zum Stillstand. Angst hat uns auch eingeredet, dass wir nicht der Richtige Mensch für so ein "leuchtendes Gegenüber" sein können. Angst hat uns klein gemacht. Unwürdig.

 

Angst hat die Welt unserer Beziehungen verzerrt. Sie ist ein Staudamm im freien Fluss der Liebe. Sie zwingt das Wasser in eine andere Bahn. Sie lässt es über die Ufer treten und seine Lebendigkeit blass werden. Sie kann die Liebe so sehr überdecken, dass ihr wirkliches Wesen von einem schwarzen Schleier erstickt wird. Wie schmutziges Wasser.

 

Die neue Welt kennt nur die Liebe. Sie kennt keine Angst mehr, das sie weniger werden oder verloren gehen könnte. Sie kennt auch keinen Mangel mehr. Und wenn es den Mangel in mir selbst mehr gibt, was brauche ich dann noch von einem anderen Menschen? Ich bin mir selbst meiner Schönheit und Kraft und Einmaligkeit bewußt. Ich bin unverwechselbar, so wie du. Wie sollen wir Äpfel und Birnen miteinander vergleichen? Sie schmecken einfach beide gut. 

 

Das ist der Boden, auf dem wirkliche Beziehungen und Freundschaften entstehen. So zu lieben und miteinander zu sein, ist wie ein Tanz. Ein Tanz von Wassertropfen, ein Ballett der Sternschnuppen. Keine Begrenzungen. Keine künstlichen Mauern. Keine Staudämme mitten im Fluss. Freiheit dorthin zu fließen, wo immer es uns hinzieht. Freiheit ganz und gar wir selbst zu sein. Uns zu verbinden und auseinander zu gehen. 

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