Gleichwertigkeit ohne Angst

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Jede Lebenszeit ist ein Geschenk. Jedes Alter ist ein Segen. Die Jugend bringt den Wind des Neuen, das Unverbrauchte, das Unorthodoxe, das Ausprobieren, das Wagemutige und das flammende Herz, dass in jedem Moment alles gibt. Die Jugend brennt noch lichterloh. Sie bringt die alte Welt ins Wanken. Sie hat kein Problem damit, alles umzustürzen, was ist. Ihr fehlt die Vorsicht. Ihr fehlt die Vorausschau, ihr fehlt die Erfahrung.

 

Die kommt erst mit jedem Lebensjahr, dass wir in uns tragen. Alter bedeutet Achtsamkeit, Vorsicht, Überblick, ein Blick auf das große Ganze, Behutsamkeit, Abwägen, Vergleichen und das Schöpfen aus den Erfahrungen. Alter hat kein kaltes Herz, das Feuer ist nicht erloschen, aber es wärmt, es zerstört nicht. Es wärmt alle, die ihre Hände daran halten.

 

Alles zusammen macht unseren Reichtum aus. Alles zusammen bildet ein Ganzes. Jeder Teil ist wichtig. Jeder Teil ist unabdingbar. Jedes Alter ist von unschätzbarem Wert. Nichts ist besser als das Andere. Wir alle sind gleichwertig. Absolut gleichwertig. Egal, welches Geburtsjahr in unserem Pass steht. Egal welche Lebenslinien sich in unser Gesicht gemalt haben. Egal, welche Farbe unsere Haare haben. 

 

Und in dieser Wertschätzung werden wir auch leben. Genau diese Art von Miteinander werden wir verstehen, begreifen und Feiern. Solang, wir in diesem Körper sind. Bis der Tod ruft und sich damit eine andere Welt öffnet.

 

Denn der Tod ist eine Tür. Die Tür in unsere Heimat. Er ist nur das Ende einer Form. Mehr nicht. So, wie eine Beziehung endet, Partnerschaften zu Freundschaften werden oder sich Menschen ganz voneinander trennen. Wir bleiben so lange in dieser Form, wie es für uns stimmt. So lange, bis wir alles gelernt haben, alles erfahren, was in dieser Form möglich war. Dann gehen wir. Aus eigenem Willen. 

 

Niemand von uns stirbt, ohne es auf irgendeiner Ebene zu wählen. Niemandem von uns geschieht der Tod als Unfall, aus heiterem Himmel oder als böse Absicht irgendeines Gottes oder des Teufels. Niemand von uns verlässt diese Form, ohne "Ja" dazu zu sagen. Jeder von uns geht, weil ein Zyklus vollendet ist. Weil die Reise, die wir vor unserer Geburt beschlossen haben, an ihr Ziel gekommen ist. Aus keinem anderen Grund.

 

Das ist uns bisher nur in den allerwenigsten Fällen bewußt. Es ist uns so wenig bewußt, dass wir glauben, Sterben geschieht uns. Es läge außerhalb unseres Einflußbereichs. Wir glauben, wir könnten nichts steuern, wir könnten nichts ändern, wir könnten nichts tun. Wir könnten weder die Art des Sterbens bestimmen noch den Zeitpunkt. Doch damit liegen wir falsch.

 

Auch das verstehen wir jetzt. So wird das Sterben zu der Feier, die es sein sollte. Weil sich damit ein Zyklus vollendet und weil wir alle getan haben, wofür wir hergekommen sind. Die Reise geht nach Hause. Und damit ein reiches, volles Leben.

 

Mit dem Feiern des Sterbens, feiern wir auch endlich das Leben. Mit dem Akzeptieren und Umarmen des Todes, können wir auch das Leben ganz umarmen. Und jeden einzelnen Moment schätzen. 

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