Jugendwahn & Todesangst

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Wir sind eine besessene Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die die Jugend auf den Thron gesetzt hat. Nicht die Energie der Jugend, nein. Nur ihre äußere Form. Ihre sinnentleerte, äußere Form. Ein makelloser, jugendlich gestählter, muskelbepackter, wohlproportionierter Körper ist das Ideal. Das einzig wirklich existierende, anerkannte und allseits bejubelte Ideal.

 

Alles, ist auf den Erhalt oder die Erlangung dieses Idealzustandes ausgerichtet. Ungeachtet der Tatsache, dass der größte Teil der Menschheit vollkommen außerstande ist, diesen Zustand jemals zu erlangen. Ungeachtet der Tatsache, dass praktisch niemand glaubt, diesem Ideal wirklich zu entsprechen. Wir sind darauf getrimmt, uns durch den Spiegel dieses Idealbildes zu betrachten und zu bewerten. Uns zu bearbeiten und zurechtzustutzen. Uns zu formen und peinlich darauf zu achten, ihm möglichst nahe zu kommen. Unsere gesamte Kultur, unsere gesamte Umgebung hämmert dieses Idealbild in unsere Köpfe. Wir sind pausenlos davon umgeben. Mit medialer Dauerberichterstattung. Unsere gesamte Wirtschaft ist darauf ausgerichtet, unser gesamtes Leben folgt dieser Doktrin.

 

Dabei können wir nur verlieren und in tiefe Depressionen verfallen. 

 

In diesem Idealbild ist Altern eine Krankheit. Etwas, dass, bekämpft, verhindert oder zumindest verlangsamt werden muss. Altern und Wandel des Körpers sind nicht vorgesehen. Beide werden als Makel empfunden. Als schwerwiegenden Makel, der mit tausenderlei Mittelchen, Wässerchen und notfalls auch per Skalpell oder Gentechnik in die Schranken gewiesen gehört. 

 

Doch die Natur ist Wandel. Altern gehört zum Leben. Ab einem bestimmten Punkt lässt sich das nicht mehr leugnen. Doch wir haben eine geniale Erfindung gehabt. Wir schließen das Altern einfach weg. Altenheime sind die Lösung. Hier wird das aus unserem Alltag abgetrennt und weggeschlossen, was wir nicht sehen wollen. Hier siechen und sterben diejenigen vor sich hin, die durch alle Raster fallen. Gut versteckt, so dass wir nicht hinsehen müssen.

 

Wir schließen das Altern auch aus unserer Wirtschaft aus. Ab einem bestimmten Alter ist es fast unmöglich noch eine Arbeit zu bekommen. Nur jugendlicher Elan zählt. Weisheit und Lebenserfahrung sind in unserer Welt keine Werte.

 

Wir sind eine Gesellschaft von Leugnern. Eine Gesellschaft, die den Wandel des Körpers, das Altern und auch den Tod fürchtet. Wir haben Angst vor der Natur des Lebens. Wir versuchen es aufzuhalten und einzubalsamieren, mit allen nur möglichen wissenschaftlichen und technischen Mitteln. Bis hin zur jetzigen digitalen Cyberworldphantasie. Oder der gentechnischen Manipulation unseres Wesens. 

 

Sterben gehört nicht zu unserem Leben. Wir ignorieren es solange, bis es vor unserer Tür steht. Und dann kämpfen wir. Altern und Sterben in Würde und Schönheit - das ist uns fremd. Das ist etwas, das wir nicht kennen. Wir kennen Alter und Tod nur als Feinde. Als unerbittliche Feinde, die wir bekämpfen und bei denen wir jeden Sieg enthusiastisch feiern.

 

Denn in unserem Weltbild endet unsere Existenz mit der Existenz dieses einen Körpers. Es gibt keine Fortsetzung. Wir sind reduziert auf die Materie vor unseren Augen. Deshalb müssen wir auch so verzweifelt daran festhalten.

 

 

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