Der erste Schritt

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Alles ist wunderbar im Mutterleib. Vertraut,  kuschlig, warm, wohlig. Nahrung, wann immer wir sie brauchen. Ein beruhigender Herzschlag. Sanftes Licht. Flüssigkeit, in der wir uns räkeln und aalen können, wie wir möchten, unbeeinflusst von der Gravitation. Ein Ort vollkommener Geborgenheit. Wie im Himmel. 

 

Es ist der perfekte Platz, um uns zu entwickeln und vertraut zu machen, mit dieser neuen Umgebung. Mit uns. Kein Wesen mehr aus Licht und Energie. Sondern Körper.

 

Bis zu diesem Moment, in dem wir spüren, das unsere Entwicklung in dieser Umgebung an einer Grenze angekommen ist. Wir haben alles durchkostet, durchlebt und entwickelt, was hier, in diesem wundervollen Urozean möglich war. Die Sehnsucht nach dem nächsten Schritt erwacht. Der Wunsch, weiterzugehen.  Es ist ein klarer, innere Impuls. Und gleichzeitig ist es ein Sprung. Mitten hinein ins Unbekannte... 

 

In meiner Erinnerung fühlte sich das so an....

 

...Ich habe mich entschieden. Ich möchte geboren werden. Wohin? Ich weiß es nicht. Aber in mir ist Gewissheit, das es richtig ist. Die Wände meiner Welt beginnen sich zu bewegen. Sie kommen näher, viel näher, als ich es möchte. Aus der Weite wird Enge. Aus der Heimat ein bedrohlicher Raum. Alles um mich herum ist aus den Fugen geraten. Nicht chaotisch. Sondern wie ein rhythmisches Pulsieren und Bewegen. Auch ich bewege mich. Ich werde geschoben, von Kräften, die ich nicht verstehe, nur fühle. Panik. Blanke Panik ist in mir. Pure Todesangst. 

 

In diesem Augenblick fühle ich Licht. Helles, strahlendes Licht. Ich sehe ein Einhorn. Mit liebevollem Blick erscheint es vor mir und schaut direkt in meine Seele. Sein Horn berührt mich auf der Stirn. Ein Stern blitzt auf. Genau dort. Und mit der Berührung breitet sich Frieden in mir aus. Stiller, tiefster Frieden. Alles, was mich vorher geängstigt hat, ist weit weg. Ich bin im gleichen Körper, in der gleichen Situation, aber in mir ist alles anders. Ich habe keine Angst mehr. Überhaupt keine. Was immer geschehen wird, es ist gut. 

 

Ich reise durch einen Tunnel, einen roten, engen Kanal. Am anderen Ende wartet grelles Licht. Lärm. Geräusche, die meinen Ohren wehtun. Alles ist viel, groß, unbegreifbar. 

 

Doch in mir bleibt Frieden. Mir kann nichts geschehen. Solange ich den Stern auf meiner Stirn nicht wieder vergesse. Solange ich nicht vergesse, wer ich bin....

 

......

 

Wir alle sind diesen Weg gegangen. Wir alle sind mit unseren Müttern zutiefst verbunden. Genauso ist es mit unserer Heimat. Diesem Ort des Lichts. Was auch immer auf unserer Reise geschehen ist. Tief in unserem Herzen lebt die Erinnerung. Dort gibt es keinen Zweifel. Keine Angst. Dort haben wir nie vergessen. 

 

Mit der bewußten Entscheidung kamen wir auf die Erde. Mit einem Wunsch. Einem Plan. Einer Absicht. Wir haben diesen Körper gewählt. Wir haben dieses Leben gewählt. Wir haben es gewählt, geboren zu werden. Genau dort, wo wir geboren worden sind. An diesen Platz, zu diesen Menschen, auf diesen Planeten. Dieser Körper ist ein Geschenk. Nur mit ihm sind Erfahrungen möglich, die uns als pures Licht verschlossen bleiben würden. 

 

Jede Geburt ist deshalb nicht umsonst ein Freudenfest. 

 

Aus der Sicht unsere Seele ist das Leben Beschränkung und Schwerstarbeit. Denn wir verwandeln uns von einem unendlichen Wesen in einen extrem begrenzten Körper. Wir kommen von einer Welt der Liebe in einer Welt voller Widersprüche und Ängste. Wir kommen von einem Raum vollkommenen Erinnerns in einen des Vergessens. Wir kommen aus der Welt der Einheit in die Welt der Trennung. Körperlich. Seelisch. Geistig. Wir beschneiden uns auf praktisch jeder Ebene. Freiwillig.

 

Warum? Weil wir diese Reise gewählt haben. Weil wir sie wollten. Diese Reise der Erfahrungen. Die Reise des Fühlens. Die Reise der Abenteuer und Wunder. Der Höhen und Tiefen. Der Dunkelheit und des Lichts. Jetzt haben wir alles, was wir brauchen, um uns selbst wirklich zu erleben. In jeder Nuance, die wir wählen. In jeder Facette. Jetzt können wir schmecken, was Leben und Licht wirklich bedeuten. Wir können alle Kochrezepte des Lebens mitsamt ihrer Zutaten ausprobieren. Wirklich ausprobieren. 

 

Wir wählen das Reisen bis heute. Nirgendwo so augenscheinlich, wie in unserer Lust am Bereisen fremder Länder. Am Erkunden neuer Grenzen. Am Besteigen von Beggipfeln. Am Erreichen sportlicher Höchstleistungen. Wie wollen uns erfahren. Immer. Dazu sind wir hier....

 

 

 

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