Was wirklich ist

 Das Ende des Wegschauens

Der Klimawandel ist keine Erfindung von fanatischen Umweltschützern, kein Hirngespinst angsterfüllter Fortschritts-verweigerer. Er ist eine Tatsache, die ich täglich spüren kann. Egal, in welchem Teil der Welt ich bin. Er hat Folgen - menschengemachte Folgen, mit denen wir alle täglich umgehen müssen. Und sei es in Form einer Migrantenwelle.

 

Die Zerstörung der tropischen Regenwälder, die Plastik-verseuchung der Ozeane, die Überfischung der Meere, atomare Verstrahlung, Auslaugung der Äcker und Gifte in Luft, Wasser und Boden sind ebenfalls Realität. 

 

Jede menschliche Handlung, die sich aus Angst gründet, lässt die Welt ein Stück mehr aus dem Gleichgewicht und uns ein bisschen mehr an eine Katastrophe rutschen. 

 

Meist versuchen wir, nicht hinzusehen, wenn es geschieht. Weil es so viel ist, so überwältigend und riesengroß, das wir uns klein und machtlos fühlen. Sisyphosarbeit. Keine Chance, also besser den Kopf in den Sand stecken. Oft versuchen wir, etwas zu verändern an unserem Verhalten, um dann in vielen Fällen desillusioniert innezuhalten, weil sich im Großen scheinbar nichts ändert. Weil wir uns belogen fühlen, hilflos, wehrlos. Und manchmal werden wir wütend und beginnen zu kämpfen. David gegen Goliath. Mit ähnlich radikalen Mitteln, wie wir es unseren Gegnern vorwerfen. Wir werden unmerklich zu dem, was wir bekämpfen wollen. 

 

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Ich habe beschlossen, einen anderen Weg zu gehen. Ich sehe genau hin.

 

Wann immer etwas mein Leben berührt. Ich fühle es, nehme es wahr und hinterfrage jeden Teil davon. Und ich schaue auf mich. Wer bin ich in Bezug auf das, was ich sehe? Welche Verantwortung übernehme ich? Was verändere ich an und in mir, um mit meinem Handeln im Einklang mit meiner Seele und meinem Herzen zu sein? Ich mache den Mund auf, wenn es sich richtig anfühlt. Ich sage Nein, wenn eine Grenze gezogen werden muss. Ich umarme, wenn Liebe fehlt. Und ich akzeptiere, wenn es das ist, was in diesem Augenblick stimmt. 

 

Es geht für mich nicht um irgendeinen anderen Menschen. Es geht um mich. Wer bin ich im Angesicht einer Erde, die an so vielen Ecken verletzt wird? Wer bin ich im Angesicht einer Menschheit, die für diese Verletzungen verantwortlich ist und es so oft leugnet? Wer bin ich, wenn ich die Lösungsansätze sehe, die wir alle Schritt für Schritt entwickeln - ohne das die Nachrichten darüber berichten? 

 

Ich sehe, ich schaue in jede Ecke, in jeden Winkel, ich lasse jedes Gefühl zu. Allen Schmerz, alle Verzweiflung, alle Hoffnungslosigkeit, die Wucht der Wut, des Hasses und der Ohnmacht. Ich lasse es zu, wenn ich im Ufer der Ostsee stehe, die biologisch praktisch tot ist. Ich lasse es zu, wenn ich an einer wilden Müllkippe stehe, die jemand gedankenlos im nächstgelegenen Wald eröffnet hat. Ich vergesse darüber jedoch nicht die Schönheit. Ich sehe die wilden Wolkenformationen am Himmel, den stillen Eichenbaum an der Havel, die grünen, weiten Wiesen der Elbaue. Ich fühle die Kraft der Natur, die Vollkommenheit dieser Welt.

 

Und ich spüre, die Menschen darin. Jeder an seinem Platz, jeder konfrontiert mit seinen Entscheidungen. Es gibt eine Verbindung, es gibt einen roten Faden, es gibt eine Entwicklung. Gemeinsam mit der Erde. Kein Schritt darin ist umsonst, keiner ist sinnlos. Alles ist letzlich eine Chance für uns. Nicht mehr wegzusehen, die Waffen niederzulegen, keinen mehr für die eigenen Fehler verantwortlich zu machen und vor allem, unabhängig zu sein, von allem, was der Andere für sich entscheidet. Darin liegt der Schlüssel. Darin liegt die Heilung. Für die Erde, die Natur und für uns selbst.