Meine Liebe zu den Worten

 Von der Schönheit der Vielfalt

Andere Kulturen und ihre Sprachen haben mich seit jeher zutiefst fasziniert. Ich liebe die Kreativität, mit der wir Menschen uns ausdrücken. Jedes Volk, jede Kultur hat seine eigene Form gefunden, die ihr ganzes Denken und Fühlen widerspiegelt. 

 

Diese Formen zu studieren, hinter ihre Kulissen zu schauen, sie zu verstehen, ist für mich eine Reise in die unendliche Vielfalt des Menschseins. Eine Reise in ihre Schönheit.

 

Ich kann in den wundervoll geschwungenen Formen der arabischen Schrift schwelgen und die klaren, singenden Laute der schwedischen Sprache umarmen. Ich tauche in die unglaubliche Wortvielfalt des Portugiesischen und lausche den weichen Lauten, die so märchenhaft und geheimnisvoll klingen, wie das ganze Land. Ich liebe die Direktheit meiner eigenen Muttersprache und diesen Erfinderreichtum, der aus wenigen neuen Wortverbindungen ein sofort verständliches Ganzes macht. Der Klang des Französischen lässt mich träumen, italienisch ist wie Gesang und das Griechische enthält die konzentrierte Logik des Verstandes. Hebräisch zieht den Hauch der Vergangenheit mit sich, Japanisch lockt mit der einfachsten Grammatik, der schwierigsten Schrift und der vertracktesten Höflichkeitsregelung der Welt und Englisch fühlt sich an wie ein Knetgummi, aus dem sich jedes Gefühl hervorlocken lässt. 

 

Sprachen und die dazugehörige Kultur so wahrzunehmen - mit weit offenem Herzen, mit der ganzen Liebe und Aufmerksamkeit, die in mir steckt, das ist wie eine Umarmung. Es ist eine Verneigung vor den Menschen, die dieses Wunder erschaffen haben. Die Sprachen selbst zu sprechen: weich, sanft, liebevoll und mit jeder Faser meines Seins zu fühlen, heilt die Momente, in denen sie vergewaltigt worden sind und es weiterhin werden. Es heilt die Augenblicke, in denen Worte zur Waffe werden, zum Kampfinstrument. Die Momente, in denen sie für die Unterdrückung Anderer benutzt werden, zur Einengung, Eingrenzung und zur Trennung. Für all die Spiele von Überlegenheit und Machtwahn. 

 

Es sind die Sprachen, die mich rufen. Sie wollen anders gesprochen werden. Sie wollen anders gefühlt werden. Sie sind nicht zum Schreien da, sie sind nicht zum Niederbrüllen da. Sie sind da, um unserer Seele eine Stimme in dieser Welt zu geben. Miteinander. Füreinander.