Jenseits des Leistungssports

 Das andere Körpergefühl

Ich kenne die Bilder von leise lächelnden Menschen, die in den skurillsten Stellungen verharren und scheinbar mühelos alle Regeln der Gravitation überwinden. Yoga erscheint oft als etwas Unmögliches. Als ein Verbiegen, das über alle Grenzen geht. Das kann am Ende stehen, aber es ist nur eine kleine Variante der Wirklichkeit.

 

Yoga heißt für mich die eigenen körperlichen Grenzen zu achten und sich an ihnen auszurichten. Jede Position, jede Stellung wird vollkommen verschieden erlebt. Je nachdem, wie wir in unserem Körper wohnen. Je nach individueller Anatomie. Und deshalb muss auch jeder selbst fühlen, wie weit er gehen kann. Es gibt keine Regel. Es gibt nur Hinweise, worauf man achten sollte. Yoga ist deshalb ein wunderbarer Weg, sich vollkommen von dem Leistungsdenken unserer Gesellschaft zu lösen, den Beweglichkeitsspielraum des Nachbarn vollkommen beiseite zu lassen und sich ganz auf sich selbst und meinen Körper zu konzentrieren. Nur leider wird das meist nicht so gelehrt. Die meisten Yogaschulen stecken mittendrin im "höher, weiter, besser", auch wenn sie das Gegenteil publizieren.

 

Jede Position löst Verspannungen, jede führt ganz natürlich zu neuer Beweglichkeit und jede hat eine tiefe energetische Wirkung. Die Übungen sind so miteinander verwoben, das sie den gesamten Körper erreichen und ein wunderbares Wohlbefinden am Ende jeder Session steht. Es ist das Gefühl, wieder zu Hause zu sein, in der eigenen Haut. Das Gefühl, das Beine, Arme und alles Muskeln und Zellen eine Frischluftkur erhalten haben. Neuer Wind in jedem Winkel des Körpers.

 

Yoga für mich ist energetische Reinigung pur. Reinigung von allem, was ich gesammelt habe, nach einem langen Tag und was eigentlich nicht zu mir gehört. Es ist ein Klären und damit auch ein "Erkenntnisse sammeln". Ganz natürlich, ganz direkt. Mitten in den Asanas. Mit den Verspannungen lösen sich auch alte Gedanken, alte Muster. Bilder tauchen auf und können gehen. 

 

Für mich ist Yoga deshalb ein unabdingbarer Bestanteil meines Tages. Früh am Morgen, wenn noch alles schläft. Wenn alles still und dunkel ist und der Verstand und die Energie der Menschen um mich herum ruht - dann ist es perfekt. Dann gibt es keine Störungen. Es gibt nur mich und den Himmel...