Die Macht der Stimme

 Klänge durchweben unser Wesen

Einer der wichtigsten Augenblicke meines Lebens war die Entdeckung meiner eigenen Stimme. Kraftvoll. Unverwechselbar und voller Seele. 

 

Ich habe Musik studiert, eine komplette klassische Ausbildung durchlaufen. Ich lernte Chöre zu dirigieren, Bach-Sinfonien zu spielen, Chopin-Etüden wiederzugeben und in den traumhaften Klängen von Debussy's Klavierwerken zu versinken. Was ich nie gelernt habe, war, mich selbst auszudrücken. Es ging immer um die Reproduktion, die Wiedergabe eines Werkes, das jemand anders komponiert hat. Die Freiheit bestand nur daran, das, was schon existierte, neu zu interpretieren. Und dieser Rahmen wurde mir irgendwann zu eng. Viel zu eng. 

 

Es brauchte Jahre, um es zu wagen, fremde, neue Töne auf dem Klavier zu spielen. Bei den ersten Versuchen bin ich über jeden Mißton in Verzweiflung versunken. Ich hatte diesen Zwang in mir, es "richtig" zu machen. Sofort. Ein Stück musste perfekt sein. Vorführungsreif. Alles Andere zählte nicht. Es musste auch schön klingen. Harmonisch. Stimmig. Schräge Töne waren ein Ding der Unmöglichkeit. Dieses Reglement in meinem Inneren zu überwinden und mich selbst zu zeigen, war ein intensiver Prozess, der mich viele Tränen gekostet hat. Am Ende half nur die brachiale Methode. Ich hämmerte mit dem ganzen Arm auf die Tasten, damit die Wut endlich mal hinauskann. Ich nahm die ganze Hand, um bewußt und in voller Absicht ein Chaos an Tönen zu erzeugen. Ich musste mein Ohr, mein ganzes Wesen richtiggehend ent-schulen, um selbst zum Vorschein kommen zu können. 

 

Genauso war es beim Singen. Bis dieser Moment kam. Dieser magische Augenblick, an dem ich es wagte über einem Mantra, in einer Gruppe eine neue hohe Stimme zu entwickelt. Einfach aus dem Bauch heraus, ganz intuitiv. Erst leise, tastend, zögernd und schwankend. Unsicher, ob ich es richtig mache. Dann immer kraftvoller und kraftvoller. Plötzlich hörte ich mich so singen, wie ich es immer an Anderen bewundert hatte. Plötzlich war da eine reine, klare, helle und hohe Stimme in mir, die wie ein Lerche über dem Chor jubilierte. Es war eine Offenbarung. Ich sang meine Seele und berührte dabei die Seele von Jedem im Raum. Ich sah Tränen in den Augen der Anderen und fühlte meine Eigenen über die Wangen laufen. 

 

Diese Erfahrung wünsche ich dir auch. Ich wünsche dir, das du alles vergißt, was dir Andere jemals über deine Stimme oder dein musikalisches Talent erzählt haben. Ich helfe dir dabei, Musik nicht nur zu genießen, darin zu schwelgen, in sie einzutauchen und zutiefst von ihr berührt zu werden sondern vor allem darin, den Mut zu haben, deine eigene Stimme zu erheben. Dir zu lauschen. Wertungsfrei. Mit weit offenem Herzen. Und dich dabei selbst zu finden.