Im Gesetz der Hackordnung

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Es ist eine Welt der Männer. Es könnte eine Welt voller spielerischem Ausprobieren der männlichen Fähigkeiten und Schätze sein. Dem logischen Denken, der Zielgerichtetheit, der körperlichen Kraft, dem Erfassen von Zusammenhängen mit dem Verstand. Doch dieses freie Testen und Entfalten funktioniert immer nur bis zu dem Punkt, wo sich der eigene Vater nicht in seiner Position von "Allwissen" bedroht fühlt. Der Rahmen ist also vorher festgesteckt. 

 

Unsere Vater-Zeit wird nicht von einem Gefühl von Liebe getragen, die uns Flügel verleiht und Selbstvertrauen, sondern ist in den meisten Fällen mehr oder minder mit Angst, Mangel und Trennung verwoben. Die Väter haben Angst vor dem Sichtbarwerden ihrer "wunden Punkte", sie haben Angst, vom Sockel gehoben zu werden. Die Söhne und Töchter haben Angst, das nicht genug Liebe von ihren Vätern zur Verfügung steht. Das darum untereinander gekämpft werden muss und nur der Stärkste, Beste, Schönste, Begabteste gewinnt.

 

Wir haben also aus diesem wundervollen Testen und Erfahren der eigenen Fähigkeiten  einen gnadenlosen Wettbewerb gemacht. Dem Verlierer droht Auschluß, Liebesentzug, Abgrund. Und auch der Gewinner ist niemals sicher. Denn die Liebe, Anerkennung und Zuneigung kann jederzeit wegfallen.

 

So haben wir zwar extrem vielfältige Männerrollen. diese sind aber auch säuberlich hierarchisch aufgeteilt. Fein nach Werteskala. Gewinner und Verlierer. Gewinner sind diejenigen, die mit einem perfekten Körper gesegnet sind, muskelbepackt oder auf irgendeine andere Art - verführerisch. Gewinner sind diejenigen, die voller brillianter Ideen und Gedanken sind. Gewinner sind die Männer, die mit ihren beiden Händen geschickt arbeiten können. Gewinner sitzen in Vorstandsetagen, werden auf der Bühne bejubelt und bekommen den Schrank zusammengebaut und die Klospülung repariert. Wer in keine dieser Rollen passt oder in Abarten davon, dem bleibt die Anerkennung versagt. Er kann sich noch irgendwie als liebender Vater, Hausmann oder mitfühlender Freund durch's Leben schlagen, doch in der wirklichen Männerhierarchie rangiert er abgeschlagen, weit am Ende. 

 

Die Gewinner werden in unserer Welt geachtet. Unter Männern und von den Frauen. Alle haben sich auf eine Werteskala geeinigt und agieren danach. Die oben stehen, werden angehimmelt. Sie werden verehrt und gefürchtet. Ihnen wird hinterherscharwenzelt und nachgeeifert. 

 

Doch so schön das auch klingt, es ist Streß. Denn wir haben eine Umgebung erschaffen, in der jede dieser Rollen perfekt ausgefüllt werden muss. Diese Männer sind Idole. Papa ist unfehlbar. Er hat es zu sein. Da gibt es keine Schramme am Goldlack. Nur - niemand kann diesem Bild an männlicher Vollkommenheit auch nur ansatzweise entsprechen. Und da beginnt das Problem.

 

Denn je höher der Rang, desto mehr steht man unter ständiger Beobachtung. Erwartungen werden formuliert und sollen erfüllt werden. Es ist kein Raum mehr für die eigenen Gefühe. Es ist kein Raum mehr für Privatsphäre. Es ist kein Raum mehr für die eigene Entwicklung. Zu sehr ist man damit beschäftigt, die eigene Rolle auszufüllen. Wir verlieren uns in der Rolle. Komplett. Wir ordnen ihr alles unter.

 

Erst, wenn wir die Identifizierungen mit der Rolle lösen können, wenn wir unseren eigenen Selbstwert jenseits des Vater oder Männerbildes finden, werden wir frei. Doch das geschieht erst im nächsten Schritt unserer Entwicklung. In der Jugend. 

 

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