Ein prall gefülltes Leben

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Unser eigener Zyklus in unserem Körper ist für uns am Greifbarsten, am Sichtbarsten. Ihn können wir am Ehesten nachvollziehen. Beginnend mit diesem magischen Moment der Geburt. 

 

Sie ist der Augenblick, in dem wir eine Entscheidung fällen. Ganz bewußt. Eine Entscheidung, die Abschied bedeutet. Vom Vertrauten und Bekannten. Der Umgebung im Mutterleib. Geburt heißt ins Unbekannte springen. Voller Vertrauen. Im Moment unserer Geburt vibriert und schwingt das Universum. Das Licht Gottes wird sichtbar und scheint wie eine große, wundervolle Flamme, die jedes Herz berührt. In den Augen eines Neugeborenen erblicken wir unser eigenes Licht. Wir blicken mitten hinein in die Essenz dessen, was wir alle sind. Die Zeit steht still. 

 

Neu in dem Körper als Mensch trägt jeder von uns eine Botschaft in sich. Wir sind nicht durch Zufall hier. Wir wollten an diesen Platz, in diese Familie, in diese Umstände hineingeboren werden. Und wir sind ein Geschenk. Ein Geschenk der Liebe. Wir sind hier, weil wir den Ort, an den wir kommen, erstrahlen lassen möchten. Und mit ihm jedes Menschenherz. 

 

Mit dem ersten Atemzug beginnen die ersten Erfahrungen. Unsere Umgebung beginnt uns zu formen. Wir passen uns an. Die Kindheit besteht aus lernen. Wir beobachten. Lernen rasend schnell, wie wir in dieser Welt leben können. Wir ahmen nach, kopieren und vergessen uns dabei Stück für Stück selbst. Eigene Überzeugungen und Wahrheiten werden nach hinten gedrängt. Die Wahrheiten der Welt werden übernommen.

 

Es ist die Zeit, in der uns unsere Mutter am nächsten ist. Ihre Wärme, Fürsorge und Liebe prägen uns. Genauso wie es uns prägt, wenn all dies fehlt. Es sollte die Zeit sein, in der wir wie in einem kuschligen Nest unsere ersten Schritte in diese Welt nehmen können. Um nach jedem, stetig ausgedehnteren Ausflug, wieder zurückkehren zu können, in die Umarmung. 

 

Doch dann kommt der Moment, an dem die Fürsorge zuviel wird. Wenn die Abenteuerlust auf das Neue überwiegt. Der Moment, an dem wir erforschen wollen, was in uns steckt. Jetzt wird der Vater wichtig. Mit ihm können wir die wildesten Dinge anstellen. Unsere Kräfte entdecken und Grenzen austesten. 

 

Am Ende reicht auch das nicht mehr. Der Vater wandelt sich von der allwissenden Figur, die uns das Leben zeigen kann, zu einem Menschen mit Fehlern. Die Umarmung der Mutter beginnt, erstickend zu werden. Jetzt müssen wir uns freistrampeln, wollen wir nicht auf ewig Kind bleiben. Jetzt ist es Zeit, die eigenen Kräfte anzuwenden, um neue Wege zu gehen. Zuerst als Rebellion gegen das bestehende - gegen die Eltern. Die Gesellschaft. Die Jugend ist da.

 

Ab sofort stellen wir alles in Frage, was jemals war. Alles. Wir untersuchen kritisch, was uns bisher als Vorbild diente und werfen es zuerst einmal gänzlich auf den Müllhaufen. Es ist ein wichtiger und notwendiger Schritt. Nur so können wir uns selbst neu definieren. Unabhängig. 

 

Es kann jedoch auch zu dem Punkt führen, in dem wir alles zerstören, was da war und ist. Inklusive unserem eigenen Leben. Es ist eine kritische Zeit. Wacklig. Instabil. Der tägliche Wandel ist so riesig und die Zusammenstöße mit dem Bestehenden können so heftig sein, das es eine Wüste hinterlässt samt unüberbrückbarer Gräben. Es kann jedoch auch leicht gehen. Doch immer ist es eine Neuausrichtung, auf allen Ebenen. Ein neue Sprung.

 

Was folgt - ist das Erwachsenenleben. Auch das ist kein statischer Zustand sondern stetiger Wandel. Es ist ein Weitersuchen und -finden unserer eigenen Identität. Wir kommen noch tiefer in Kontakt mit der Welt um uns und müssen auf eigenen Füßen stehend einen Weg finden, uns selbst treu zu bleiben. Doch dazu braucht es zuerst einmal die Erinnerung daran, wer wir eigentlich sind. Und so sind diese Jahre auch Jahre des Suchens. Nach uns selbst. Es sind Jahre des Erinnerns. Jahre, in denen wir langsam, Schritt für Schritt uns selbst wiederfinden. Jahre des Pendelns zwischen Anpassung, Resignation, Aufstehen, Hinfallen, Neuausrichten, Hoffnung, Enttäuschung und Wiedergeburt.

 

Wieder ist da ein magischer Moment. Eigentlich ist es ein magischer Prozess mit vielen Momenten. Den Momenten, in denen wir uns wieder gefunden haben. Dem Moment der Erinnerung an uns selbst. Dem Moment, an dem wir aufstehen und uns selbst beginnen, zu leben. Und weiterzugeben, was in uns an Schätzen darauf gewartet haben, weitergegeben zu werden. Diesmal in vollem Bewußtsein. In voller Absicht. Es sind Jahre der Blüte. Echter Blüte. 

 

Bis zu dem Augenblick, in dem wir alles erlebt, alles geben, alles geschenkt und alles bekommen haben, wegen dessen wir herkamen. Der Augenblick, in dem wir wieder loslassen. Von diesem Körper und diesem Leben. Der Augenblick, in dem wir nach Hause gehen. Zurück ins Licht. Der letzte Atemzug. Sterben. Tod. Das Verschmelzen mit allem, was ist. Höchste Ekstase, vollständige Wonne. Feier. Pure Feier des Lebens. Willkommensein inmitten der Liebe. So lange, wie wir wollen. 

 

Und vielleicht, vielleicht entscheiden wir uns dann wieder zu einem neuen Abenteuer. Einer Abenteuerreise namens Mensch. Dann beginnt des Zyklus von Neuem. Mit der Geburt in einem neuen Körper. Mit uns.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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